Britische Anfänge und französische Visionen
Die Nilregulierung begann bereits 1902 mit dem britischen Unterassuan-Damm, einem ersten Versuch der Kolonialherren, die verheerenden Hungersnöte zu beenden. Dieser bescheidene Vorgänger erwies sich jedoch als unzureichend – sein niedriger Wasserspiegel konnte lediglich ein Jahr lang Reserven speichern. Regelmäßige Überläufe machten eine zuverlässige Bewässerung während der kritischen Niedrigwasserperioden unmöglich.
1947 konzipierte der französische Ingenieur Adrian Daninos eine radikale Alternative: einen monumentalen Staudamm oberhalb von Assuan, den er 1948 der ägyptischen Regierung präsentierte. König Faruq zeigte zunächst keinerlei Interesse. Erst nach seinem Sturz 1952 gewannen die revolutionären Pläne an Bedeutung. Gamal Abdel Nasser und seine Offiziere erkannten das strategische Potenzial einer ausschließlich ägyptischen Kontrolle über die Nilwasser.
Deutsche Baufirmen wie Hochtief und Rheinstahl Union Brückenbau sollten ursprünglich die Umsetzung übernehmen. Die USA und Großbritannien sagten im Dezember 1955 eine Finanzierung von 70 Millionen US-Dollar zu. Sieben Monate später zogen die Amerikaner ihre Zusage zurück, woraufhin Nasser sowjetische Unterstützung suchte. Tausende sowjetischer Techniker und Ingenieure strömten nach Ägypten.
Elf Jahre monumentaler Bauarbeiten
Eine gewaltige Sprengung am 9. Januar 1960 markierte den Baubeginn des Assuan-Hochdamms. Über 30.000 Arbeiter und etwa 2.000 sowjetische Ingenieure realisierten dieses kolossale Vorhaben für Baukosten von ungefähr 2,2 Milliarden Euro.
Den ersten Bauabschnitt krönte eine denkwürdige Zeremonie am 14. Mai 1964. Präsident Nasser betätigte gemeinsam mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow sowie den Staatspräsidenten Abd as-Salam Arif aus dem Irak und Abdullah as-Sallal aus dem Jemen den Schalter zur Sprengung eines Sandwalls. Der umgeleitete Nil füllte das vorgesehene Becken – die Geburt des Nassersees hatte begonnen.
Nach Fertigstellung des Damms am 21. Juli 1970 zelebrierte Anwar el-Sadat, Nassers Nachfolger, die feierliche Eröffnung am 15. Januar 1971. Sechs weitere Jahre vergingen, bis der See 1976 seinen geplanten Wasserspiegel erreichte. Die Bauarbeiten forderten 451 Menschenleben.
Dimensionen einer technischen Apotheose
Das Absperrbauwerk manifestiert sich als gewaltige Schotteraufschüttung mit Lehmdichtungskern und Betonmantel. Die Konstruktion misst 3.830 Meter Länge und 111 Meter Höhe. Während die Sohlenbreite 980 Meter beträgt, verjüngt sich die Krone auf etwa 40 Meter. Die verbauten Materialien umfassen 43 bis 44,3 Millionen Kubikmeter – das Siebzehnfache der Großen Pyramide von Gizeh.
Der entstandene Wasserkörper erstreckt sich über 500 bis 550 Kilometer bei einer variierenden Breite zwischen 5 und 35 Kilometern. Seine Gesamtfläche umspannt 5.000 bis 5.250 Quadratkilometer. Das Reservoirvolumen fasst zwischen 135 und 169 Kubikkilometer Wasser, davon sind 90 Kubikkilometer für die Nilhochwasser-Aufnahme reserviert.
Diese aquatische Leviathan trägt den Namen des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, dessen Vision seine Entstehung ermöglichte. Der südliche Abschnitt in sudanesischem Territorium führt die Bezeichnung Nubia-See.
Buchen Sie jetzt Ihr Abenteuer am Nassersee und erleben Sie antike Tempel, einzigartige Tierwelt und luxuriöse Kreuzfahrten!