Im November 1922 erschütterte eine Nachricht die archäologische Welt: Nach jahrelanger Suche hatte der britische Archäologe Howard Carter das nahezu unberührte Tutanchamun Grab im Tal der Könige entdeckt.
Diese Entdeckung gilt bis heute als Meilenstein der Archäologie und als der berühmteste Fund aus der alt-ägyptischen Hochkultur.
Howard Carter und die Suche im Tal der Könige
Howard Carter begann seine Karriere nicht als Archäologe, sondern als talentierter Zeichner. Ohne akademische Ausbildung kam er 1891 im Alter von nur 17 Jahren nach Ägypten.
Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Archäologen wie William Flinders Petrie eignete er sich das Handwerk des Ägyptologen an.
Die Zusammenarbeit mit seinem Geldgeber Lord Carnarvon begann 1907. Carter war fest überzeugt, dass sich das Grab des jungen Pharaos im Tal der Könige befinden müsse.
Seine Überzeugung stützte sich auf mehrere Funde: Während seiner Grabungskampagne von 1905 bis 1906 hatte er bereits Artefakte mit den Kartuschen Tutanchamuns identifizieren können.
Obwohl der amerikanische Anwalt Theodore M. Davis das Tal der Könige nach seinen Funden für "archäologisch erschöpft" erklärt hatte, blieb Carter hartnäckig.
Im Juni 1922 musste er dennoch bei Lord Carnarvon vorsprechen und um finanzielle Mittel für eine letzte Grabungssaison bitten.
Die ersten Stufen zur Grabkammer
Der Durchbruch kam am 4. November 1922, als ein junger Wasserträger namens Hussein Abd el-Rassoul die erste Stufe einer in den Felsen geschnittenen Treppe entdeckte.
Carter schickte umgehend ein euphemisches Telegramm an Lord Carnarvon: "Habe endlich wunderbare Entdeckung im Tal gemacht. Ein großartiges Grab mit unberührten Siegeln.
Bis zu Ihrer Ankunft alles wieder zugedeckt. Gratuliere". Nachdem insgesamt 16 Treppenstufen freigelegt waren, stießen die Archäologen auf eine versiegelte Tür.
Die Siegel zeigten den Gott Anubis als liegenden Schakal über neun Gefangenen – ein Zeichen der königlichen Nekropole.
Die offizielle Öffnung erfolgte am 26. November 1922 in Anwesenheit von Lord Carnarvon.
Als Carter durch einen Spalt in die Vorkammer blickte, sah er "seltsame Tiere, Statuen und Gold – überall schien der Glanz des Goldes".
Warum das Grab so gut erhalten war
Das Grab von Tutanchamun mit der Kennnummer KV62 war spektakulär, weil es weitgehend intakt geblieben war.
Anders als bei fast allen anderen Königsgräbern im Tal der Könige hatten Grabräuber nicht alles entwendet.
Mehrere Faktoren trugen dazu bei: Zum einen waren die geringen Ausmaße des Grabes und der Schutt höher gelegener Gräber perfekte Tarnung.
Zum anderen stand das Grab unter Arbeiterhütten aus der Ramessidenzeit, die Carter entfernen lassen musste.
Darüber hinaus gehörte Tutanchamun zu einer Familie, die in turbulenten Zeiten über Ägypten herrschte.
Nach dem Tod seines Vaters Echnaton, der den Polytheismus abgeschafft hatte, versuchten seine Nachfolger, die Familie des "Ketzers" aus der Geschichte zu verbannen.
Dadurch war Tutanchamuns Grabstätte weniger bekannt und blieb von systematischen Plünderungen verschont.
Insgesamt enthielt das Grab 5398 unschätzbar wertvolle Objekte.
Die Bergung und Dokumentation dieser Grabbeigaben Tutanchamuns war eine monumentale Aufgabe, die erst 1933 – ganze zehn Jahre nach der Entdeckung – abgeschlossen wurde.